26 أبريل

Vertreibungsplan der israelischen Armee

Rundfunk: Seit einigen Tagen kursieren in den Medien Berichte über einen Vertreibungsplan derisraelischenArmee. Dieser Plan soll schrittweise durchgeführt werden. Was ist Ihre Information dazu?

Karsli: Das ist eine gefährliche Aktion der israelischen Armee. Jeder Weiß, dass Israel eine Besatzungsmacht ist, es besetzt ein anderes Land, entscheidet aber über die Zusammensetzung der Bevölkerung des besetzten Landes. Wer das Land verlassen muss, sind die Israelis. Aber leider ist das Gegenteil der Fall


Die israelische Armee entscheidet über das Schicksal der Palästinenser. Das unterstreicht, dass es der israelischen Armee sehr gelegen ist, Palästinenser aus ihrer Heimat zu vertreiben. Diese Vertreibungspolitik geht über viele Jahre hindurch. Es gibt radikale Israelis, die laut darüber nachdenken, Palästinenser mit israelischem Pass zu vertreiben, im Rahmen der so genannten Transferaktion. Man fängt mit einer kleinen Aktion an, um zu testen, wie die Reaktion darauf ist. Also, man versucht, in einer ersten Phase etwa 70.000 Palästinenser zu vertreiben. Das gilt für Palästinenser, die außerhalb des Westjordanlandes geboren sind, oder auch jene Personen, die einen palästinensischen Gatten oder eine palästinensische Gattin haben. Man ist bemüht, die Palästinenser in den noch vom historischen Palästina übrig gebliebenen Gebieten, also Westjordanland und Gazastreifen, voneinander zu trennen. Das bedeutet, die in Gaza geborenen Palästinenser dürfen nicht in Westjordanland leben. Dadurch soll ein Dauerzustand entstehen, also eine endgültige Trennung der Palästinenser.

Rundfunk: Was bezweckt Israel mit dieser Politik?

Karsli: Diese Politik bedeutet zunächst eine ethnische Säuberung. Man will diese Politik schrittweise umsetzen. Erst die Trennung einer bestimmten Anzahl von Palästinensern, in diesem Fall etwa 70.000 Palästinenser. Es folgen dann weitere Vertreibungen bis alle Palästinenser vertrieben worden sind.

Schauen Sie, übertragen wir diese Politik auf Deutschland. Stellen Sie sich vor, dass man zum Bespiel Bürgern aus Bayern, die in Nordrheinwestfalen leben, sagen würde, sie hätten Nordrheinwestfalen zu verlassen. Was würde geschehen? Also, es ist nichts anders als eine ethnische Säuberung.

Rundfunk: man hat jahrelang über eine Friedensregelung zwischen den Israelis und Palästinensern gesprochen, vermittelt und verhandelt. War damit alles um sonst?

Karsli: Das, was oben gesagt worden ist, markiert die israelische Politik über Jahre hindurch. Dazu vielleicht ein Bespiel: Wenn die Palästinenser, die in Jerusalem leben, vorübergehend die Region verlassen, zum Beispiel um zu studieren oder arbeiten, dürfen sie nicht mehr zurückkehren, sie werden als illegale Palästinenser betrachtet und entsprechend auch behandelt.

Radikale Israels, zu denen auch Mitglieder der gegenwärtigen israelischen Regierung zählen, betrachten das gesamte Westjordanland als ihr historisches von den Palästinensern besetztes Territorium. Also, sie drehen die Tatsachen um. Bisher wurde diese Politik hingenommen, geduldet. In der letzten Zeit aber gibt es Signale in Richtung Israels. Man sieht die Spannung zwischen der Türkei und Israel und den USA und Israel. Ich glaube, die Staatengemeinschaft kann diese israelische Politik nicht mehr hinnehmen. Ich glaube, nun steht das Existenzrecht Israels auf dem Spiel. Davor warnen viele Wissenschaftler. Das Ganze kann irgendwann umkippen. Sie wissen, dass Israel durch eine UNO-Resolution entstanden ist. Deshalb stellt sich für viele die Frage, ob Israel das Existenzrecht verdient hat.

Rundfunk: Aber wie Sie wissen, stehen die USA und eine Reihe europäischer Staaten auf der israelischen Seite, wenn es um das Existenzrecht Israels geht.

Karsli: Es ist nicht zu bestreiten, dass es eine starke pro-israelische Lobby in den USA und Europa gibt, die die israelische Politik und Verbrechen ohne wenn und aber unterstützt. Es gibt in Deutschland sogar Politiker, die der Sicherheit Israels Vorrang vor eigener Sicherheit gewähren.

Aber mittlerweile haben viele europäische Länder und die USA verstanden, dass die israelische Politik ihre Interessen gefährdet. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass diese Länder Israelis ihre Unterstützung verweigern. Das kann auch zum Umdenken bei den normalen Menschen führen.

Ich bin der Ansicht, dass die gegenwärtige israelische Regierung für die Palästinenser die beste Regierung ist, weil sie mit offenen Karten spielt. Bei dieser Regierung weiß man, woran man ist. Die anderen Regierungen haben die gleiche Politik betrieben, zugleich aber immer vom Frieden und friedlichen Zusammenleben mit den Palästinensern gesprochen.

Dieses Interview führe Seyyed Hedayatollah Schahrokny

http://german.irib.ir/index.php/interviews/37692-interview-mit-jamal-karsli

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