Gemeinsam gegen Islamophobie
Bundesverband Deutsch-Arabischer Vereine in Deutschland e. V.
Offener Brief an die Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Ermordung der schwangeren Frau Marwa El-Sherbini, in Deutschland, im Gerichtssaal, vor den Augen der Richter des Landgerichts Dresden
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
wir, der Bundesverband der Arabischen Vereine in Deutschland e. V., haben die Nachricht vom 01. Juli 2009 über die Ermordung der schwangeren Frau El-Sherbini im Gerichtssaal vor den Augen der Richter des Landgerichts Dresden mit großer Bestürzung aufgenommen
Dieser kriminelle Akt ist ein Beweis dafür, dass die Anti-Islam-Stimmung in unserer Gesellschaft eine alarmierende Stufe erreicht hat, wo Gläubige Menschen zu Opfern und als „Islamisten“ und „Terroristen“ beschimpft und sogar ermordet werden.
Die antiislamische Messerattacke vor der Kammer des Landgerichts Dresden lässt durchaus die Vermutung zu, dass es sich hier um eine politisch motivierte Ermordung eines unschuldigen Menschen handelt und der anti-islamische Rassismus bereits gefährlich radikalisiert ist und eskaliert.
Die Propagierung solcher Art von Rassismus und Hass gegen Menschen mit islamischer Religionszugehörigkeit gehören in Deutschland mittlerweile in verschiedener Intensität zu den Zielen mancher Parteien und Gruppierungen wie z. B. die REPs, DVU, NPD und „Pro Köln“. Deren Ziel ist es offensichtlich, den Islam und die gläubigen Menschen zu diffamieren und die jahrtausende alte islamische Religion bewusst mit Terror zu identifizieren. Dieser Mord in Dresden bzw. die bisherigen verharmlosenden Reaktionen der Medien und der Öffentlichkeit hierauf sind nicht mit Meinungsfreiheit zu erklären, sondern werden weltweit von sehr vielen Menschen als eine mutwillige Hetzkampagne gegen die Islamische Religion und gegen die gläubigen Menschen betrachtet.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
viele deutsche Muslime (4,3 Millionen Menschen) sind über einen solchen heimtückischen und brutalen Mord vor einem Deutschen Gericht in einem Deutschen Gerichtssaal und die Tatsache, dass die notwendigen öffentlichen und politischen Reaktionen hierauf in diesem Fall weitgehend ausbleiben, sehr besorgt. Wir befürchten, dass von solchen Straftaten gegen gläubigen muslimischen Menschen entsprechende Signalwirkungen ausgehen, die negative Reaktionen in Deutschland und auch international auslösen könnten.
Wir sehen es als unsere Aufgabe und Pflicht an, alles zu unternehmen was in unserem Einflussbereich und unserer Kraft liegt, um den sozialen Frieden in Deutschland zu schützen und den radikalen Auswüchsen überall in der Welt, egal aus welcher Richtung diese kommen, vehement mit allen demokratischen Mitteln, Mut und Entschlossenheit entgegen zu treten.
Solche schlimmen Ereignisse wie in Dresden dürfen nicht bagatellisiert und nicht als eine kriminelle Handlung eines Einzeltäters verharmlost werden. Wir sind auch alle aufgerufen, Muslime, Christen und andere Religionen, gemeinsam unser Land vor Terrorakten jeder Art zu schützen. Ein solcher Mord in Verbindung mit einer öffentlichen Ignoranz dieser schlimmen Tat darf weder Nachahmer zu weiteren solchen Mordtaten ermutigen noch sollten sich Fanatiker genötigt sehen, zu scharfen Gegenreaktionen zu greifen, die schneller als wir alle es annehmen, außer Kontrolle geraten können. Dies hat uns die Vergangenheit bereits schmerzlich gelehrt.
Deshalb bitten wir Sie, verehrte Frau Bundeskanzlerin, auch vor dem Hintergrund des an diesem Mord international steigenden Interesses hier ein deutliches Signal zu setzen und sich mit den Opfern öffentlich zu solidarisieren, so wie Sie es bereits auch mit Menschen anderer Religionszugehörigkeit getan haben. “Ein Wort“ von der Deutschen Bundeskanzlerin zur rechten Zeit kann viel schlimmes verhindern und noch mehr gutes bewirken. Weiterhin bitten wir Sie, sich dafür einzusetzen, den Dialog zwischen Muslimen, Christen und anderen Glaubengemeinschaften in Deutschland noch mehr zu fördern, damit die politische, gesellschaftliche, kulturelle und mediale Aufklärung in unserem Lande effektiver als bisher stattfinden kann und damit nicht weitere unschuldige Menschen wegen ihres Glaubens oder ihres Aussehens Opfer solcher scheußlicher Attentate sein werden.
Mit dieser Bitte bewegen wir uns auch auf der Grundlage eines Herzstücks der Deutschen Politik, nämlich dem Grundgesetz, das den Menschen unter anderem auch Religionsfreiheit zusichert.
Mit freundlichen Grüssen
Dipl.-Ing. Nashat Elfar Dipl.-Ing. Jamal Karsli
Präsident Mitglied des Ehrenbeirats
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الأربعاء، 8 يوليو، 2009 الساعة 11:13 ص في قسم
